Die meisten „kostenlosen Google Ads Audits" im DACH-Raum sind keine Audits, sondern Sales Funnels. Sie bekommen ein fünfseitiges PDF mit offensichtlichen Befunden — Ziel ist, Ihnen ein monatliches Retainer-Paket ab 1.500 € zu verkaufen.
Ein echtes Audit bedeutet Arbeit nach einer strukturierten Checkliste, an deren Ende Sie eine priorisierte Liste konkreter Probleme erhalten — mit Zahlen und klaren Handlungsempfehlungen. Unabhängig davon, ob Sie den Freelancer danach engagieren oder nicht.
Im Folgenden 47 Punkte, die ich (Performance-Marketing-Freelancer mit Fokus auf Google Ads in DACH, Projekte in Österreich, Deutschland und der Schweiz) bei jedem Konto durchgehe. Aufgeteilt in 8 Sektionen — vom Setup bis zur Attribution.
Was ein echtes Audit von einem Sales Pitch unterscheidet
Anzeichen für einen Sales Pitch (kein Audit):
- Vorgefertigtes Template, in dem nur Kundenname und zwei, drei Screenshots ausgetauscht werden
- Fazit: „Bei Ihnen läuft viel schief, Sie sollten uns sofort engagieren"
- Keine konkreten Zahlen (CPA, ROAS, Search Lost IS) — nur Allgemeinplätze
- Kein Bezug auf Ihr Geschäftsmodell (Lead-Gen, E-Commerce, Brand) — die Empfehlungen sind für alle gleich
Anzeichen für ein echtes Audit:
- Kontozugriff wird mit Read-only-Rechten angefragt — keine Änderungen ohne Ihre Freigabe
- Business Context wird abgefragt: KPI, durchschnittlicher Deal-Wert, Sales Cycle, USP
- Cross-Check mit Google Analytics 4, Google Search Console und CRM (sofern vorhanden)
- Report mit mindestens 15–20 Seiten und priorisierter Problemliste (P0/P1/P2)
- Konkrete Empfehlungen mit erwartetem Impact in € oder Prozent
Realistische Audit-Preise in DACH (2026): 400 € bis 1.200 € für ein einmaliges Full Audit (rund 6–10 Stunden Senior-Time). „Kostenloses Audit" bedeutet entweder eine vereinfachte Light-Version (1–2 Stunden, oberflächlich) oder einen CRM-Köder.
Die Checkliste — 47 Punkte in 8 Sektionen
Sektion 1 — Account Setup & Conversion Tracking
- Conversion Tracking ist aktiv und valide. Alle Primary Conversions in den Goals, keine verwaisten „Conversion (Legacy)"-Actions, keine Duplikate desselben Events aus GTM und GA4-Import.
- Conversion Categories sind korrekt gesetzt. Purchase, Lead oder Submit Lead Form — nicht „Other". Hat direkten Einfluss auf Smart Bidding.
- Enhanced Conversions sind aktiviert. Für Lead-Gen und E-Commerce. Ohne sie gehen unter iOS und in cookieless-Szenarien 20–40 % des Attributions-Signals verloren.
- Conversion Window passt zum Sales Cycle. Ein B2B-SaaS mit 30-Tage-Zyklus darf nicht mit 7-Tage-Window laufen.
- GA4 und Google Ads sind verknüpft, Audience Sharing ist aktiv. Ohne diese Verknüpfung kein Remarketing-Audience-Import aus GA4.
- Auto-Tagging (
gclid) ist aktiv. Ohnegclidzerfällt die gesamte UTM-/CRM-Attribution von Google Ads zu Sales. - Tag-Duplizierung ist geprüft. Häufiger Fehler: Dasselbe Event läuft sowohl über das GTM-Google-Ads-Tag als auch über GA4-Import — Conversions werden doppelt gezählt.
Sektion 2 — Konto-Struktur
- Campaign Type passt zum Ziel. Search für High-Intent, PMax für E-Commerce mit Feed, Demand Gen für Top-of-Funnel. Nicht „PMax für alles, weil Google das so empfiehlt".
- One Campaign per Intent / Locale / Network. Getrennte Kampagnen für Brand vs. Non-Brand, Search vs. Display, DE vs. AT vs. CH (unterschiedliche CPCs, unterschiedliche Negativ-Keywords).
- Thematische Dichte auf Ad-Group-Ebene. Pro Ad Group maximal 5–10 thematisch eng verwandte Keywords. Nicht „50 Keywords in einer AG".
- Brand-Kampagne ist isoliert. Eigener Budget-Cap, Exact-Match-Brand-Terms — damit kein Non-Brand-Bidding kannibalisiert.
- Search Partners und Display Network in Search-Kampagnen abgeschaltet (sofern keine spezifische Begründung) — meist 70 % Junk-Traffic.
- Location Targeting steht auf „Presence", nicht auf „Presence or Interest" — sonst zeigt Google Werbung an Menschen, die sich „für Wien interessiert" haben, während sie in Vietnam sitzen.
Sektion 3 — Keywords & Match Types
- Match-Type-Verteilung ist sinnvoll. Phrase plus Exact = 60–80 % der Impressionen. Broad ohne Smart Bidding ist eine rote Flagge.
- Negativ-Keyword-Listen sind sauber gepflegt. Auf Campaign-Level plus Shared Library auf Account-Level — mindestens 50–200 generische Negativ-Keywords.
- Search Terms Report ist über 90 Tage geprüft. Gibt es Junk-Queries, die 10 %+ des Budgets ohne Conversions verbrennen?
- Keyword-Kannibalisierung. Derselbe Search Term matcht in zwei Ad Groups — Google zeigt eine, meist mit dem schlechteren Quality Score.
- Quality-Score-Verteilung gewichtet nach Spend. Bei High-Spend-Keywords unter 6/10 liegt ein ernstes Problem mit Landing Page oder Ad Relevance vor.
- Search Lost IS (Budget) und (Rank). Lost IS Budget über 30 % heißt: Kampagne unterfinanziert. Lost IS Rank über 30 % heißt: Problem liegt nicht beim Geld, sondern bei Quality oder Bid.
- Symmetrisches Brand-Bidding. Bidding auf Wettbewerber: prüfen, ob Trademark-Konflikte vorliegen und ob es sich rechnet (CPA meist 2–3× höher als Brand-CPA).
Sektion 4 — Anzeigentexte & Assets
- Responsive Search Ads — mindestens 3 pro Ad Group mit Ad Strength „Good" oder „Excellent". Nicht eine einzige RSA für die gesamte Kampagne.
- Headlines und Descriptions decken verschiedene Angles ab. Feature, Benefit, Proof, CTA, Location, Urgency — nicht 15 Variationen derselben Botschaft.
- Pinning-Strategie ist bewusst gewählt. Position 1 auf Brand Term, Position 2 auf USP. Sonst mischt Google durch und die Ad Strength fällt.
- Assets (Extensions) sind vollständig. Sitelinks (mindestens 6), Callouts (8+), Structured Snippets, Call, Lead Form, Image, Location (falls physisches Geschäft).
- Final URL und Display URL stimmen überein. Display URL muss die Root-Domain enthalten. Diskrepanz = Risiko für Ad Disapproval.
- Anzeigentexte passen zur Landing Page. Das Keyword aus der Anzeige sollte auf der LP in H1 oder im ersten Absatz auftauchen. Mismatch senkt Quality Score und Ad Relevance.
Sektion 5 — Bidding & Budget
- Bidding-Strategie passt zur Datenlage. Target CPA / Target ROAS brauchen mindestens 30 Conversions pro 30 Tage. Ohne diese Datenbasis: Maximize Conversions.
- tROAS-/tCPA-Ziel ist realistisch. Wenn Sie ROAS 800 % im E-Commerce setzen, wo der Durchschnitt bei 350 % liegt, drosselt Smart Bidding den Traffic.
- Budget-Pacing ist sauber. Eine Kampagne darf nicht systematisch das Doppelte des Tages-Budgets ausgeben (Google erlaubt ±100 % Tagesabweichung). Monats-Cap sollte stehen.
- Bid Adjustments widersprechen Smart Bidding nicht. Bei tCPA/tROAS werden Device- und Location-Adjustments ausgehebelt. Wenn sie gesetzt sind, weiß jemand nicht, was er tut.
- Shared Budgets sind begründet. Wenn mehrere Kampagnen einen Budget-Pool teilen, frisst eine Kampagne fast immer alles. Getrennte Budgets sind vorhersehbarer.
- Seasonality Adjustments für Black Friday, Sommer-Aktion, Weihnachten. Viele vergessen, dass Google das offiziell unterstützt (Tools → Bid Strategies → Advanced Controls).
Sektion 6 — Performance Max
- Asset Groups sind nach Audience segmentiert. Nicht eine AG mit allen Assets — getrennt für High-Intent vs. Cold.
- Audience Signals sind befüllt. Custom Segments, Customer Match, Interests. Ohne Signale verbringt PMax die ersten 4–6 Wochen mit Discovery und verbrennt dabei Budget.
- Search Themes sind hinzugefügt (Feature seit 2026) — gibt PMax Kontrolle darüber, auf welchen Themen Search-Inventar bespielt wird.
- Negative Brand Exclusion ist gesetzt. Wenn die Brand-Kampagne separat läuft, müssen Brand-Keywords in PMax ausgeschlossen werden (aktuell teils nur per Google-Support-Ticket).
- PMax-Kannibalisierung mit Search-Kampagnen ist geprüft. Asset-Group-Reports zeigen, welche Kategorien konvertieren. Mit Search-Ergebnissen vergleichen — wird derselbe Bedarf zweimal bedient?
Sektion 7 — Audience & Targeting
- Customer Match Lists sind hochgeladen. Aus dem CRM mindestens: Bestandskunden (für Exclusion bei Lead-Gen oder Value-Based Bidding bei E-Commerce), inaktive Kunden (für Win-Back).
- Remarketing-Audiences sind definiert. All Visitors, Cart Abandoners, Past Purchasers — mindestens 1.000 aktive User in den letzten 30 Tagen für nutzbare Größe.
- Demographics-Exclusions sind sinnvoll. Bei Real Estate werden 18–24 meist ausgeschlossen (niedrige Conversion, Ausnahmen für spezielle Cases).
- In-Market Audiences als Observation, nicht als Targeting (in Search) — für Bid Adjustments, nicht zur Reichweiten-Einschränkung.
- Lookalike-/Similar-Audiences sind entfernt. Von Google 2023 deprecated. Prüfen, ob noch Zombie-Audiences mit 0 Reach im Konto liegen.
Sektion 8 — Reporting & Attribution
- Attribution Model = Data-Driven (Default seit 2023). Last-Click bei Multi-Touch-Journeys ist veraltet.
- Cross-Device Conversions sind aktiviert — sonst werden Mobile-zu-Desktop-Journeys nicht gezählt.
- Lookback Window 30–90 Tage je nach Sales Cycle.
- UTM-Parameter auf Final URLs. Auto-Tagging (
gclid) liefert das Wesentliche, aber UTM ist nötig für CRM- und Sheets-Reports. - Offline Conversions (GCLID-Upload). Für B2B und Lead-Gen mit langem Sales Cycle: Closed-Won Deals aus dem CRM zurück nach Google Ads importieren. Das verschiebt Smart Bidding von „auf Formular-Submit optimieren" zu „auf reale Abschlüsse optimieren".
Was ein ehrliches Audit kostet — und warum „kostenlos" verdächtig ist
Realistische Preise in DACH (2026):
| Typ | Aufwand | Preis | Inhalt |
|---|---|---|---|
| Light Audit | 1–2 h | 0–150 € | Top-Level Setup, Conversion Tracking, 1–2 strukturelle Auffälligkeiten |
| Standard Audit | 4–6 h | 400–700 € | Komplette 47-Punkte-Checkliste, priorisierte Liste, ohne Roadmap |
| Full Audit + Roadmap | 6–10 h | 700–1.200 € | Standard plus 30-Tage-Sprint-Plan plus 30-Minuten-Q&A-Call |
| „Kostenlos" | 30–60 min | 0 € (aber...) | Sales Pitch nach Template. Erster Sanity-Check — kein Audit. |
Stundensatz Performance-Marketing-Freelancer in DACH: 90–130 €/h in Deutschland, 100–140 €/h in Österreich, 130–180 €/h in der Schweiz.
Wenn jemand „kostenloses Audit plus kostenloses Strategy Call plus kostenlosen Setup Plan" anbietet, stellen Sie sich die Frage: Wer zahlt für die 6 Stunden Senior-Time? Die Antwort lautet immer: Sie selbst, später — denn das Ganze ist eine Marketing-Funnel-Maschine, kein Audit.
Wie lange ein Full Audit wirklich dauert
Aufschlüsselung der Senior-Time für ein Full Audit eines durchschnittlichen Kontos (2.000–10.000 € Monatsspend):
- 30 min — Kick-off-Call: Geschäftsziele, KPI, Sales Cycle, CRM-Zugriff
- 60 min — Validierung Conversion Tracking (GTM + GA4 + Ads + CRM)
- 90 min — Konto-Struktur, Keywords, Search Terms Report
- 60 min — Anzeigentexte und Assets Review
- 60 min — Bidding, Budget, Performance Max
- 45 min — Audience, Targeting, Attribution
- 60 min — Schreiben des Reports (15–20 Seiten, P0/P1/P2)
- 30 min — Final Walkthrough Call
Macht rund 6,5 Stunden für ein mittelgroßes Konto. Bei Accounts über 15.000 € Monatsspend oder komplexen Multi-Region-Setups: 10–14 Stunden.
Wann sich ein Audit rechnet — und wann nicht
- Spend über 2.000 €/Monat — eine Einsparung von 10–15 % nach den Fixes deckt das Audit in 1–2 Monaten
- Conversions sind da, aber CPA ist über 3–6 Monate ohne erkennbaren Grund gestiegen
- Smart Bidding ist aktiv, erreicht aber die Targets nicht
- Übernahme des Kontos von einer Agentur oder einem vorherigen Freelancer — Sie wollen eine Second Opinion
- Spend unter 800 €/Monat und das Konto ist jünger als 3 Monate (zu wenig Daten)
- Erst gestartet, weniger als 30 Conversions im Konto
- Sie wollen „den Markt testen", ohne Budget für regelmäßige Betreuung nach dem Audit
In den letzten Fällen ist ein Setup Sprint (600–900 €) für einen sauberen Start sinnvoller als ein Audit.
Wie ein Audit-Report aussieht (Beispiel)
Ein typischer Senior-Report in DACH (15–20 Seiten PDF):
- Executive Summary (1 Seite) — Top-5-Probleme plus erwarteter Impact in €
- Account Context (1 Seite) — KPI, Baseline, Branchen-Benchmarks
- 8 Sektionen × 47 Checks (10–12 Seiten) — Pass / Fail / N/A für jeden Punkt, mit Screenshots und Erläuterung
- Priorisierte Roadmap (2 Seiten) — P0 (dringend, Impact über 500 €/Monat), P1 (1–4 Wochen), P2 (Nice-to-have)
- Quick Wins (1 Seite) — was sich in 1–2 Stunden direkt nach Erhalt des Reports umsetzen lässt
- Next Steps (1 Seite) — Implementation beauftragen, oder DIY mit Roadmap
Wie sieht so ein Report konkret aus? Anonymisierter 6-seitiger Sample-Report für ein fiktives Wiener Maklerbüro mit 4.200 € Monatsspend — inklusive Executive Summary, zwei vollständigen Audit-Sektionen (Conversion Tracking + Performance Max), priorisierter Roadmap und Quick Wins.
↓ Sample-Audit-Report ansehen (PDF, 6 Seiten)
Häufige Fragen zum Google Ads Audit
Kann ich ein Google Ads Audit selbst durchführen?
Light-Level (Setup, Tracking, grundlegende Struktur) — ja, anhand dieser Checkliste. Senior-Level (PMax, Attribution, Bidding-Strategie auf Datenbasis) braucht Erfahrung aus 30+ Konten, weil viele Probleme erst im Branchen-Benchmark-Vergleich sichtbar werden.
Audit von einer Agentur oder von einem Freelancer — was ist besser?
Agentur-Audits sind häufig ein Sales-Tool für Neukunden-Onboarding (Fazit meist „Sie brauchen unser Retainer"). Freelance-Audits sind ein eigenständiges Deliverable: Sie bekommen den Report und entscheiden selbst, wie es weitergeht. Wer eine objektive Second Opinion will, ist beim Freelancer besser aufgehoben.
Audit versus ChatGPT-Analyse — was ist der Unterschied?
ChatGPT hat keinen Zugriff auf Ihr Konto, sieht den Search Terms Report nicht und kann den Quality-Score-Impact auf Gebote nicht berechnen. Für die Generierung von Anzeigentexten oder Keyword-Brainstorming nützlich — kein Ersatz für ein echtes Audit.
Was qualifiziert einen Google-Ads-Freelancer in DACH?
Praxisorientiert: mehrjährige Erfahrung, nachweisbarer Track Record (sechsstelliges verwaltetes Mediabudget pro Jahr), Erfahrung in mehreren Branchen, beherrscht Server-Side Tracking (Conversions API, GA4 BigQuery Export, Offline Conversion Import).
Was passiert nach dem Audit?
Drei mögliche Wege: DIY — Sie setzen die Roadmap selbst um. Implementation Sprint — Sie engagieren den Freelancer für 1–2 Monate auf die P0-/P1-Punkte. Long-Term Retainer — wenn das Volumen es rechtfertigt.
Möchten Sie ein ehrliches Audit Ihres Google-Ads-Kontos? 47 Punkte, priorisierter Report, 5–7 Werktage.
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