Jede Marketing-Beratung beginnt mit derselben Tabelle. WordStream sagt, durchschnittlicher CPL liegt bei €X. HubSpot zeigt eine Conversion-Rate von Y %. LinkedIn meldet einen B2B-CAC von €Z. Das stimmt alles — und hilft dem Wiener Friseur trotzdem nicht. Weil die meisten dieser Daten aus den USA kommen, weil „Branchendurchschnitt“ das eine Geschäft mit dem anderen vermischt, und weil die einzige Frage, die wirklich zählt, lautet: Was bleibt am Ende übrig, wenn ein Kunde durch die Tür geht?
Eine ehrliche Vorbemerkung zur Datenlage
Wer behauptet, er hätte verlässliche Wien-spezifische CPL-Benchmarks für 50 Branchen, sagt nicht die Wahrheit. WordStream-Daten sind US-amerikanisch. HubSpot-Daten sind global. Statistik Austria misst Werbeausgaben, aber keine Lead-Kosten pro Branche. LinkedIn veröffentlicht B2B-Benchmarks, aber nicht für Friseure oder Restaurants. Die Datenlandschaft für Wiener KMU ist fast leer.
Was ich dir hier biete, sind keine harten Zahlen, sondern begründete Schätzungen: globale Benchmarks dort, wo sie existieren (Zahnärzte etwa über WordStream 2025, B2B-Werte über LinkedIn), Branchenlogik dort, wo sie sich rechnen lässt (Maklerprovision = 3 % × durchschnittlicher Wiener Wohnungspreis), und Wiener Marktwissen für den Rest. Lies die Tabelle als Orientierung, nicht als Garantie. Im Rechner kannst du jede Zahl mit deiner eigenen ersetzen.
Die Tabelle: 12 Branchen, was Lead und Kunde kosten
Drei Werte entscheiden, ob bezahlte Werbung in deinem Geschäft funktioniert: CPL (was ein Interessent kostet, der seine Daten hinterlässt), CAC (was der zahlende Kunde am Ende kostet) und der Gewinn pro Kunde (LTV minus CAC). Genau diese drei für 12 Branchen, Stand 2026, in Euro, gerundet:
| Branche | CPL | CAC | LTV | Gewinn / Kunde | Beste Plattform |
|---|---|---|---|---|---|
| Beauty & Wellness | €19 | €54 | €100 | €46 | Meta / Instagram |
| Einzelhandel | €20 | €100 | €80 | −€20 | Meta Shops |
| Massage & Therapie | €21 | €71 | €400 | €329 | Meta / Instagram |
| Auto & Mobilität | €23 | €56 | €800 | €744 | Google Ads |
| Bildung & Kurse | €25 | €100 | €600 | €500 | Meta + Google |
| Gastronomie | €30 | €120 | €250 | €130 | Meta / Instagram |
| Fitness & Sport | €33 | €167 | €500 | €333 | Meta / Instagram |
| Handwerk & Bau | €40 | €89 | €600 | €511 | Google Ads |
| Hotel & Tourismus | €42 | €139 | €280 | €141 | Meta / Hotel Ads |
| Gesundheit (Zahnarzt) | €50 | €200 | €2.000 | €1.800 | Google Ads |
| Immobilien | €80 | €533 | €15.000 | €14.467 | Google Ads |
| Beratung & Recht | €110 | €367 | €2.000 | €1.633 | LinkedIn / Google |
CPL = was du pro Lead zahlst. CAC = was der zahlende Kunde am Ende kostet (CPL geteilt durch Close-Rate). LTV = durchschnittlicher Umsatz pro Kunde, in der Regel mehrjährig gerechnet. Gewinn pro Kunde = LTV minus CAC. Annahmen: Wien, 2026, Klickpreise basieren auf globalen Benchmarks mit DACH-Anpassung; LTV-Werte sind branchentypische Mittelwerte. Mehr zur Methodik weiter unten.
Was die Tabelle wirklich erzählt
Beauty ist sechsmal günstiger als Recht — und trotzdem nicht das bessere Geschäft.
Der CPL-Spread liegt bei 6×: €19 für eine Beauty-Anfrage, €110 für eine Anwaltsanfrage. Wer das als „Beauty ist sechsmal effizienter“ liest, übersieht das Wesentliche. Schau auf die letzte Spalte: Beauty bringt €46 Gewinn pro Kunde, Anwalt €1.633. Der eine Kanal füllt sich mit vielen kleinen Kunden, der andere mit wenigen großen. Beides funktioniert — aber mit unterschiedlichem Setup, unterschiedlichem Budget, unterschiedlicher Geduld.
Niedriger CPL bedeutet nicht profitabel.
Einzelhandel hat den zweitniedrigsten CPL der Tabelle (€20) und ist trotzdem die einzige Branche, die im Modell −€20 pro Kunde verliert. Bei einem durchschnittlichen Erstkauf von €80 frisst die Akquise jeden Cent Marge. Profitabel wird Einzelhandel nur über Wiederkäufe, Cross-Sell und Stammkundenpflege — also über die Lifetime, nicht über die einzelne Anzeige. Wenn du im Einzelhandel Werbung schaltest und keinen Plan für den zweiten und dritten Kauf hast, zahlst du drauf.
Hoher CPL bedeutet nicht unrentabel.
Immobilien zahlen €80 pro Lead und €533 pro Mandanten — und holen am Ende €14.467 Gewinn rein. Anwälte zahlen €110 pro Lead und stehen mit €1.633 im Plus. Wer den Klickpreis sieht, schreckt zurück. Wer den LTV rechnet, lässt die Kampagne laufen. Die Falle ist immer dieselbe: KMU-Inhaber stoppen Kampagnen nach drei Wochen, weil „Klick zu teuer“, ohne den Sales-Zyklus abzuwarten.
Die Plattform folgt der Suchintention, nicht dem Trend.
Es gibt kein „Meta ist besser als Google“. Es gibt nur die Frage: Suchen Menschen aktiv nach deinem Angebot, oder muss man sie unterbrechen? Bei Notfall-Handwerk, Immobilien, Anwälten und Zahnärzten gewinnt Google Ads, weil dort Suchintention da ist. Bei Beauty, Gastro, Fitness, Hotellerie gewinnt Meta, weil Discovery-Mechanik mit visuellen Inhalten besser funktioniert. Einzelhandel lebt von Meta Shops plus Google Shopping. Eine Branche, die Google ablehnt, weil „teuer“, oder Meta, weil „unseriös“, hat das Prinzip nicht verstanden.
Mindestbudget folgt deinem CAC, nicht deiner Branche.
Faustregel: dein Monatsbudget sollte mindestens 10–20× deinen CAC betragen, damit der Algorithmus genug Signale für Optimierung bekommt. Friseur (CAC €54): €540–€1.080. Zahnarzt (CAC €200): €2.000–€4.000. Anwalt (CAC €367): €3.700–€7.300. Wer mit €300 Restbudget startet, bekommt zufällige Ergebnisse — keine Aussage über die Plattform.
Fünf Wiener Branchen genauer angesehen
Beauty & Wellness — günstig, aber dünne Marge
Beauty hat den niedrigsten CPL der Tabelle (€19) und einen der dünnsten Gewinne pro Kunde (€46). Häufigste Fehler: zu kleines Budget (unter €500/Monat reicht für Algorithmus-Lernen nicht), zu seltener Creative-Wechsel (Instagram ermüdet eine Anzeige in 7–10 Tagen), und Landing Pages mit Telefonnummer statt Buchungs-Widget. Wer Beauty profitabel auf Instagram skalieren will, muss in Wiederkäufen denken — Treuekarten, Pakete, Add-ons.
Gastronomie — Discovery-Geschäft, kein Suchgeschäft
Gastronomie ist keine Google-Branche. Wer in Wien Restaurants über Google Ads bewerben will, kämpft gegen Lieferdienste mit unbegrenzten Budgets. Auf Instagram dagegen reicht ein gutes Foto plus ein Reels-Werbeposting. Größter Hebel ist trotzdem nicht die Kampagne, sondern das Google-Maps-Profil mit Fotos, aktuellen Bewertungen und Specials — oft kostenlos, fast immer unterschätzt.
Gesundheit (Zahnarzt, Physio) — Trust ist die wichtigste Stellschraube
Zahnarzt: CPL €50, Gewinn €1.800 über die Patientenbeziehung. Physio: CPL €21, Gewinn €329. Beide leben von Vertrauen — und dafür braucht es eine Landing Page mit echten Praxisbildern, klaren Bewertungen, Adresse, Foto des Behandlers, transparenter Preis-Range. Patient Journeys auf Stockfoto-Seiten konvertieren laut WordStream-Dental-Daten 2025 messbar schlechter als auf Seiten mit echten Praxisbildern.
Immobilien — der CPL-Schock, der sich rechnet
CPL €80, CAC €533, Gewinn €14.467. Wer das erste Mal eine Immobilien-Kampagne anschaut, schreckt vor dem Klickpreis zurück. Aber bei einer einzigen Maklerprovision von 3 % auf eine durchschnittliche Wiener Wohnung (€500.000) kommen €15.000 herein — der Rest rechnet sich. Wichtig: lange Sales-Zyklen brauchen sauberes CRM-Tracking, sonst kommt nach drei Monaten der Stornoreflex. Genau deshalb scheitern Makler-Kampagnen häufiger an fehlender Geduld als an falscher Plattform.
Beratung & Recht — der teuerste Klick im Markt
CPL €110, CAC €367, Gewinn €1.633. Anwälte und Berater haben den höchsten CPL im Markt. Klickpreise auf Keywords wie „scheidungsanwalt wien“ oder „arbeitsrecht beratung“ liegen bei €5–€7. Wer hier bestehen will, kombiniert LinkedIn (dominanter B2B-Kanal im DACH-Raum) mit Long-Tail-Google-Ads (spezifische Anliegen statt generischer Keywords) und einer Landing Page, die auf einen einzigen Beratungs-Slot konvertiert — nicht auf „Kontakt“.
Was kostet ein Lead in deinem Setup?
Diese Tabelle ist eine Orientierung, kein Versprechen. Dein konkreter Fall hängt von Klickpreis, Landing-Page-Conversion, Close-Rate und Customer Lifetime Value ab — und kann um 30–50 % nach oben oder unten abweichen.
Auf lishchuk.com/was-kostet-ein-lead findest du den interaktiven Rechner. Branche wählen, Land wählen, Budget einstellen — du bekommst CPL, CAC, erwartete Leads pro Monat, Gewinn pro Kunde. Im „Anpassen“-Modus kannst du jede Annahme mit deinen eigenen Zahlen überschreiben. Wenn du einen vollständigen Account-Audit hast, ist das der Moment, ihn einzuspielen — dann wird aus der Schätzung ein realistisches Setup.
„Eine Branche ist nicht teuer, weil der CPL hoch ist. Eine Branche ist teuer, wenn LTV minus CAC negativ wird.“
Methodik: woher die Zahlen kommen
Drei Quellen, in absteigender Reihenfolge der Belastbarkeit:
1. Globale Benchmarks, wo öffentlich verfügbar. Für Zahnärzte gibt es WordStream-Daten 2025 (CPC ca. 6,80 € global, Conversion-Rate 9 %) sowie Patient-Lifetime-Value-Studien (US: ~€1.400–€4.700 mehrjährig). Für B2B-Berufe gibt es LinkedIn-Reports zu Close-Rates und Channel-Mix. Für DACH und Wien speziell sind diese Daten nicht verfügbar — ich habe sie pro Branche um 20–30 % nach unten korrigiert, weil Klickpreise im DACH-Raum tendenziell unter US-Niveau liegen.
2. Branchenlogik, wo sie sich rechnen lässt. Maklerprovision ist Mathematik: 3 % auf einen durchschnittlichen Wiener Eigentumswohnungspreis von €500.000 ergibt €15.000 Bruttoprovision pro Vermittlung — das ist der LTV in der Tabelle. Beim Zahnarzt sind €2.000 LTV ein konservativer Mittelwert aus den US-Patient-Lifetime-Studien, an DACH-Honorartarife angepasst.
3. Heuristik, wo öffentliche Daten fehlen. Für Friseure, Gastronomen, Fitnessstudios, Einzelhändler und Bildungsanbieter gibt es schlicht keine belastbaren öffentlichen DACH-Werte. Die Zahlen in der Tabelle sind plausible Schätzungen aus Branchenlogik, internationalen Vergleichswerten und Marktbeobachtung — nicht aus einer harten Datenquelle. Genau deshalb ist der Rechner so wichtig: er zwingt dich, deine eigenen Zahlen einzusetzen, statt meinen zu vertrauen.
Häufige Fragen
Welche Branche hat in Wien die niedrigsten Lead-Kosten?
Beauty & Wellness mit ungefähr €19 pro Lead, gefolgt von Einzelhandel (~€20) und Massage/Therapie (~€21). Wichtig: niedrig ist nicht gleich rentabel — Einzelhandel verliert beim Erstkauf rechnerisch €20 pro Kunde. Profitabilität entsteht erst durch Wiederkäufe.
Wie viel Werbebudget brauche ich pro Monat in Wien?
Faustregel: 10–20× deinen Customer Acquisition Cost. Friseur (CAC €54): €540–€1.080. Zahnarzt (CAC €200): €2.000–€4.000. Anwalt (CAC €367): €3.700–€7.300. Unter 10× CAC bekommt der Algorithmus zu wenig Signale — die Ergebnisse wirken zufällig, nicht weil die Plattform schlecht ist, sondern weil das Budget zu klein für Optimierung ist.
Sind Meta Ads oder Google Ads günstiger?
Meta ist für die meisten B2C-Branchen 30–60 % günstiger pro Lead — vor allem bei Gastronomie, Beauty, Fitness, Einzelhandel und Hotels. Google gewinnt überall dort, wo Suchintention da ist: Notfall-Handwerk, Gesundheit, Immobilien, Rechtsberatung. Für reines B2B funktioniert oft LinkedIn am besten.
Was ist der Unterschied zwischen CPL und CAC?
CPL (Cost per Lead) ist, was du zahlst, um einen Interessenten zu gewinnen, der seine Daten hinterlässt. CAC (Customer Acquisition Cost) ist, was du zahlst, um aus diesem Interessenten einen zahlenden Kunden zu machen. CAC ist immer höher als CPL, weil nicht jeder Lead konvertiert — typische Close-Rates liegen zwischen 15 % (Immobilien) und 45 % (Notfall-Handwerk).
Wie kann ich meine Lead-Kosten konkret senken?
Drei Hebel in dieser Reihenfolge: (1) Landing-Page-Conversion-Rate verbessern (von 5 % auf 10 % halbiert deinen CPL). (2) Keywords präziser wählen — „google ads wien 7. bezirk“ statt „google ads wien“. (3) Zielgruppen schärfer definieren — auf Meta mit Lookalike-Audiences statt breit schießen. In dieser Reihenfolge, weil Punkt 1 fast immer den größten Effekt hat und am häufigsten ignoriert wird.
Sind diese Zahlen für 2027 noch gültig?
Für die Reihenfolge der Branchen ja — Anwälte werden auch 2027 teurer sein als Friseure, weil das Problem strukturell ist (Klickpreise spiegeln Auktionsdruck). Für die absoluten Werte: jährlich um 8–12 % nach oben rechnen, wenn der Markt stabil bleibt. Bei größeren Plattformänderungen (neue iOS-Privacy-Welle, AI Overviews, EU-Regulierung) kann sich das Bild deutlich verschieben — die Tabelle wird hier laufend aktualisiert.
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