Ich betreue das digitale Marketing mehrerer Restaurants in Wien — vom Familienlokal bis zum Premium-Format im ersten Bezirk. Google Ads, Meta, Websites, Reservierungen. Und fast jedes Erstgespräch mit einem Gastronomen beginnt mit demselben Satz: „Wir haben Instagram und Google Maps. Wozu noch eine Website?“
Die kurze Antwort: Weil jeder Kanal, den Sie nicht kontrollieren, am Ende für ein fremdes Geschäft arbeitet. Die lange Antwort steht unten — mit Zahlen und mit den Fehlern, die ich in der Praxis immer wieder sehe.
Reicht Instagram für ein Restaurant aus?
Nein — Instagram ist die Vitrine, nicht der Motor. Es zeigt Menschen, die Ihnen schon folgen, Atmosphäre und neue Gerichte. Aber:
- Die organische Reichweite sinkt. Ein Posting erreicht nur einen Bruchteil der eigenen Follower — alles darüber hinaus ist bezahlter Traffic.
- Der Gast kann nicht in zwei Klicks reservieren. Link in Bio, dann eine Plattform, dann ein Formular. Jeder zusätzliche Schritt kostet Gäste.
- Wer hungrig ist, sucht in Google. „Italiener 1180 Wien“ tippt man in die Google-Suche, nicht in die Instagram-Suche.
- Ein Konto kann gesperrt werden. Ich habe erlebt, wie ein Lokal über Nacht eine über Jahre aufgebaute Community verlor. Die Wiederherstellung ist ein Glücksspiel.
Instagram gehört dazu. Aber es ist gemietete Fläche. Die Website ist Eigentum.
Was verliert ein Restaurant ohne eigene Website?
Das sehe ich konkret in den Zahlen, wenn ich ein neues Lokal übernehme:
- Provisionen an Liefer- und Buchungsplattformen. Bei Lieferplattformen sind bis zu 30 % pro Bestellung üblich; Reservierungsportale verrechnen pro Gast oder monatlich. Das eigene Reservierungsformular auf der Website kostet pro Gast: null.
- Die Gästedaten. Die Plattform weiß, wer Ihre Gäste sind — Sie nicht. Kein Newsletter, kein Retargeting, keine Statistik über Stammgäste.
- Werbung ohne Landingpage. Google Ads oder Meta Ads ohne eigene Website heißt: Budget auf ein Plattform-Profil leiten, das schlechter konvertiert und ohne Meta Pixel oder Conversion-Messung nicht auswertbar ist.
- Der erste Eindruck. Ein Gast aus der Google-Suche findet ein Lokal ohne Website und landet auf einem Maps-Eintrag mit fremden Fotos und manchmal veralteter Speisekarte. Die Entscheidung fällt in Sekunden.
Wohin das Geld ohne eigene Website fließt
Ohne eigene Website
Mit eigener Website
Wie findet ein Gast 2026 tatsächlich ein Restaurant?
Der Weg ist fast immer derselbe — ich sehe ihn jede Woche in den Analytics-Daten der Lokale: Google oder Maps → Website → Speisekarte → Reservierung. Der Gast sucht „Küche + Bezirk“ oder einen Namen, den er gehört hat. Er prüft den Maps-Eintrag: Bewertung, Fotos, Öffnungszeiten. Dann der Klick auf die Website: aktuelle Speisekarte, Preise, Atmosphäre, Reservierung.
Gibt es keine Website, geht der Gast zurück in die Suchergebnisse. Dort warten die Mitbewerber. Die Website ist keine „Visitenkarte fürs gute Gewissen“ — sie ist der letzte Schritt vor der Reservierung. Wie ein Lokal überhaupt in Google und in den KI-Empfehlungen sichtbar wird, habe ich hier ausführlich beschrieben.
Der Weg des Gastes
Suche in Google / Maps
„Küche + Bezirk“
Maps-Eintrag:
Bewertung, Fotos, Zeiten
Website: Speisekarte,
Preise, Atmosphäre
Reservierung
in zwei Klicks
Was gehört auf eine Restaurant-Website, damit sie Reservierungen bringt?
Meine Arbeits-Checkliste — genau das prüfe ich als Erstes, wenn ich die Website eines Lokals übernehme:
Checkliste: Bringt Ihre Website Gäste? Zählen Sie mit
- ✓Reservierungs-Button ohne Scrollen sichtbar — Widget oder Formular, nicht „Rufen Sie uns an“
- ✓Speisekarte als Text auf der Seite, kein 10-MB-PDF: Google indexiert die Gerichte, der Gast öffnet sie am Handy in einer Sekunde
- ✓Aktuelle Öffnungszeiten, Adresse, Telefon — identisch mit dem Google Business Profile
- ✓Eigene Fotos. Stock-Pasta erkennt man sofort, und sie kostet Vertrauen
- ✓Tempo am Smartphone — über 80 % des Gastro-Traffics ist mobil
- ✓Deutsch + Englisch. Wien ist eine Tourismusstadt; die zweite Sprachversion bringt regelmäßig einen spürbaren Anteil der Reservierungen
- ✓Pixel und Analytics. Ohne Messung ist jede Werbung ein Blindflug
Was kostet eine Restaurant-Website — und wann rechnet sie sich?
Ehrlich: Eine gute Restaurant-Website ist kein 10.000-Euro-Firmenportal. Die funktionierende Kombination — Onepager, Speisekarte als Text, Reservierungswidget, zwei Sprachen — ist in Wien zu vernünftigen Kosten machbar. Und sie rechnet sich schnell, weil jede Direktreservierung eine gesparte Plattformprovision ist, eine eigene Landingpage die Conversion jeder Kampagne hebt und eine Website Jahre arbeitet, während Provisionen jeden Monat anfallen.
Ein Beispiel aus der Praxis, ohne Namen: Ein Lokal, dessen Werbebudget vorher auf Plattform-Profile lief, begann nach dem Start der eigenen Website mit Reservierungswidget, Reservierungen direkt entgegenzunehmen. Das veränderte die gesamte Wirtschaftlichkeit der Werbung — jeder Klick führt seitdem auf eine Seite, auf der der Gast sofort buchen kann. Was Kampagnen in Österreich realistisch kosten, steht hier.
Womit anfangen, wenn es keine Website gibt — oder sie „einfach nur da ist“?
- Gehen Sie die Checkliste oben durch: Wie viele Punkte sind erfüllt?
- Bringen Sie das Google Business Profile in Ordnung — kostenlos und sofort wirksam.
- Bauen Sie die Website mit Reservierung und Text-Speisekarte — das Fundament.
- Erst danach Werbung schalten: zuerst die Landingpage, dann der Traffic.
Häufige Fragen aus der Wiener Gastronomie
Reicht Instagram statt einer eigenen Website?
Nein. Instagram ist die Vitrine für Follower, die Website der Ort der Entscheidung für alle, die in Google suchen. Die beiden ersetzen einander nicht — sie funktionieren nur zusammen.
Lohnt sich eine Website für ein kleines Restaurant?
Gerade für ein kleines Lokal: Jede Plattformprovision trifft die Marge eines Einzelbetriebs härter als die einer Kette. Und ein kleines Lokal lebt von Stammgästen — die erreicht man über eigene Daten, nicht über fremde Profile.
Wie bekomme ich mehr Reservierungen über die Website?
Reservierungs-Button ohne Scrollen sichtbar, Speisekarte als Text, mobile Ladezeit, zweite Sprachversion. Und Werbung, die auf die eigene Website führt — nicht auf ein Plattform-Profil.
Was ist wichtiger: Website oder Google Business Profile?
Das ist kein Entweder-oder. Das Profil bringt den Gast aus Google Maps, die Website schließt die Reservierung ab. Ein Profil ohne Website verliert die buchungsbereitesten Gäste auf den letzten Metern.
Kurz gesagt
Ein Restaurant ohne eigene Website fährt mit angezogener Handbremse: Es zahlt Provisionen für Gäste, die es direkt gewinnen könnte, kennt seine Stammgäste nicht und kann Werbung weder messen noch optimieren. Die Website ist nicht das Schaufenster — sie ist der Motor, der aus Sichtbarkeit Reservierungen macht. Instagram, Maps und Google Ads liefern die Gäste an. Ankommen müssen sie bei Ihnen.
Hinweis: Dieser Artikel basiert auf meiner laufenden Arbeit mit Wiener Gastronomiebetrieben. Aus Diskretion nenne ich keine Namen; die beschriebenen Situationen sind reale Muster aus mehreren Projekten. Foto: Oliver Guhr / Unsplash. Stand: August 2026.
Sie führen ein Lokal in Wien und wollen wissen, ob Ihre Website Gäste bringt oder nur existiert? Ich schaue ehrlich drauf.
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